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19-02-04

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Nachdem ich mir länger Zeit lassen musste als gewollt, bin ich jetzt dabei, hier mal Leben reinzubringen.
Penny


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Penny Murdoc
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Vermittelaltert

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(24/2/04 21:46)
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Der Sozialstatus der Frau in der Alemannia [Seminararbeit]
I.)        Einleitung


Die Frage nach dem Sozialstatus der Frau in der Alamannia des Frühmittelalters läßt zwei unterschiedliche Ansätze zu. Zum einen kann man den Status der einzelnen Frau innerhalb der alemannischen Frauengruppe untersuchen. Zum anderen stellt sich die Frage, welchen Status alemannische Frauen in der damaligen Gesellschaft insgesamt inne gehabt haben könnten. Beide Punkte sollen die Basis für die vorliegende Arbeit darstellen.


Die sich aufdrängende Leitfrage soll lauten, inwiefern der Sozialstatus der damaligen Frauen archäologisch bestimmt werden kann. Des Weiteren soll untersucht werden, ob geschichtliche Quellen den Sozialstatus der damaligen Frauen überhaupt beschreiben und welche Schlüsse man daraus ziehen kann.


Zur Beantwortung der Fragen werde ich zunächst die archäologische Erfaßbarkeit des Sozialstatus innerhalb der Frauengruppe und anschließend in der gesamten Gesellschaft darlegen. Die Beurteilung der historischen Quellen wird in einem weiteren Punkt behandelt. Dabei wird die Problemdarstellung archäologischer und historischer Quellen in Bezug auf die Aussagefähigkeit zur Beantwortung einer Frage hinsichtlich des Sozialstatus der Frauen eingehend behandelt. Zum Schluß möchte ich zusammenfassend zu einem Fazit kommen.






II.) Der Sozialstatus der Alemanninnen innerhalb der alemannischen Frauengruppe


Der Sozialstatus der alemannischen Frau in der damaligen Frauengruppe wird archäologisch über die Grabbeigaben erfaßt. Dies ist naheliegend, da schon in der Frühzeit eine „Standes“zugehörigkeit äußerlich dadurch erkennbar war, daß wohlhabende Menschen wertvolle Gegenstände trug, die ins Grab mitgegeben worden sind. Hingegen hatten weniger wohlhabende oder gar arme Menschen weniger wertvolle Stücke, die den Toten beigegeben wurden. Abstufungen nach Arm und Reich scheinen somit durch Grabbeigaben gut erfaßbar zu sein. Rainer Christlein hat auf diesen Überlegungen aufbauend folgendes Schema entwickelt, das die Abstufungen verdeutlichen soll.


Dieses Schema ist jedoch sehr einfach und sehr idealisiert. So berücksichtigt Christlein beispielsweise in der Qualitätsgruppe A nicht, dass beigabenlose Gräber nicht unbedingt beabsichtigt beigabenlos bis in die heutige Zeit überdauert haben, sondern auch von Grabräubern des Frühmittelalters oder späteren Zeiten leergeräumt werden könnten.

Ein Grab, in dem keine Beigaben zu finden sind, muß somit nicht notwendigerweise zur Qualitätsgruppe A gehören. Wird dieses Schema jedoch als Grundlage genommen, so wird die Sozialstruktur der Frauengruppe in Prozentzahlen deutlich: D, welches die reichste soziale Schicht dargestellt, macht den geringsten Anteil von unter 1 % aus. Die zweitreichste soziale Gruppe C entspricht 3-5 % der Frauengruppe. Qualitätsgruppe B, die man als mittlere Gruppe bezeichnen könnte, macht 33 % aus. Die anscheinend größte, arme Gruppe A stellt die grösste Anzahl von mehr als 60 %.

Aus diesen Angaben heraus kann man auf eine Bevölkerungspyramide schließen. Die unterste Schicht stellt die anscheinend ärmste und gleichzeitig grösste Bevölkerungsgruppe innerhalb der Frauengruppe dar. Die Pyramide verjüngt sich demnach nach oben, entsprechend des anschießenden höheren sozialen Standes. Unten befindet sich Qualitätsgruppe A, darüber B, dann C und als kleine Spitze D.

Dabei bleibt die Qualität der Frauengrabinventare, besonders anschaulich derer der Qualitätsgruppen C und D, über den Zeitraum von 500-700 nach Christus unverändert. Die Stücke an sich verändern sich entsprechend der Mode. Auch hier hat Christlein ein Schema erstellt .. Er zeigt an dem Beispiel der Nekropole Schretzheim, wie sich die einzelnen Stücke ändern, jedoch nicht die Qualität. Es ist jedoch festzuhalten, daß die Zusammenstellung recht schematisch ist und nicht unbedingt die allgemeine Fundlage widerspiegelt.

Weitere Beispiele finden sich in Frauengräbern der Qualitätsgruppe D. Das erste Beispiel zeigt das Grabinventar einer vermögenden Frau um 500 nach Christus Das 2. Grabinventar stellt die Beigaben einer vermögenden Frau aus der Mitte des 7. Jahrhunderts nach Christus dar. Vergleicht man beide Grabinventare miteinander, so fallen einige sich ähnliche Fundstücke ins Auge. Beide Frauen haben beispielweise wertvolle Armreifen mit in ihr Grab bekommen. Das ältere Fundstück unterscheidet sich im Aussehen jedoch vom Jüngeren, so ist der Armreif aus dem 5. Jahrhundert schmal, nur an dessen offene Enden verdickt er sich. Dem Gegenüber steht ein geschlossener Armreif des 7. Jahrhunderts, der an einer Stelle zylindrisch verdickt ist, der Rest dieses Stückes ist wesentlich schmaler als der ältere Armreif.
Auch haben beide Frauen Ringe mit in ihre Gräber bekommen. Das ältere Grab beinhaltet einen massiven Goldring mit grossen Almandineinlagen. Im Jüngeren befindet sich ein ebenfalls goldener oder vergoldeter, wesentlich schmalerer Ring, in dem ein nicht näher erkennbarer Stein eingefaßt ist.
In dem Grab um 500 wurden auch Fibeln gefunden, hier 2 paarige Fünfkopfbügelfibeln und eine Tierfibel in Gestalt eines Pferdes. Im jüngeren Grab des 7. Jahrhunderts befand sich eine einzelne grosse Scheibenfibel, noch mit einzelnen Almandineinlagen.
Diese genannten vergleichenden beispiele zeigen deutlich anhand einzelner Stücke, daß sich die Mode im Laufe von ungefähr 250 Jahren sehr verändert hat. Die Qualität der einzelnen Stücke kann man jedoch durchaus als gleichwertig einstufen.

Scheinbar kann man rein archäologisch schon eine Sozialstruktur erkennen. Inwiefern man dieses historisch belegen kann, soll im weiteren Verlauf Punkt IV zeigen.

Obwohl es so scheint, ist die allgemeine Grundlage für diese Ergebnisse nicht gesichert. Wie bereits angedeutet, müssen beigabenlose Gräber nicht unbedingt der Qualitätsgruppe A zugeordnet werden. Besonders im Frühmittelalter haben Grabräuber viele Gräber leergeräumt, vermutlich besonders häufig die der Qualitätsgruppe C und D. Jedoch können durchaus auch Gräber der Qualitätsgruppe B betroffen sein. Man geht davon aus, das durchschnittlich 20 % bis teilweise 80% der Gräber durch Grabräuber beschädigt wurden . Damit ist wahrscheinlich, daß sich eine Bevölkerungspyramide wie Christlein sie erstellt hat, in dieser Form nicht aufrecht zu erhalten ist. Heiko Steuer verfeinert das Modell und gibt eine Erklärung ab, inwiefern die Qualitätsgruppen sozial zusammenhängen. Eine klassische Bevölkerungspyramide, wie Christlein sie postuliert hat, ist nicht aufrecht zu erhalten. Statt dessen kann man davon ausgehen, daß die Gräber der Qualitätsgruppe A im Spiegel der damaligen Bevölkerung einen wesentlich geringeren Anteil ausgemacht haben müssen. Die Qualitätsgruppen B und C hatten ursprünglich wohl einen höheren prozentualen Anteil in den Nekropolen als aus den Beigaben ersichtlich ist. Dadurch ergibt sich ein Bild, in dem A als eine Art Sockel unter der „bauchigen“ und ausschweifenden B steht. C ist etwas stärker ausgeprägt als in Christleins Modell, D bleibt eine kleine Spitze.

Ferner muß man auch die Fundlage berücksichtigen, da die wenigsten Nekropolen vollständig ausgegraben wurden. Dadurch sind natürlich nicht alle Gräber mit ihren Beigaben erfaßt, so daß man keine gesicherten Rückschlüsse ziehen kann. Der folgende Punkt III soll hierzu eine nähere Erklärung geben.


III.) Alamaninnen und ihr sozialer Status in der Gesamtgesellschaft der Alemannen


Wie bereits unter II. ausgeführt, stellen die Frauengräber, wenn auch unter Vorbehalt, einen wichtigen Indikator für soziale Ränge dar. Interessant ist jedoch auch die Frage nach der sozialen Stellung der Frau in der alemannischen Gesamtgesellschaft. Zwangsläufig drängt sich ebenfalls die Frage auf, inwiefern man dieses archäologisch beweisen kann.

Hält man sich die Fundlage vor Augen, so wird direkt deutlich, daß eine adäquate Beantwortung nach der Stellung der Frau kaum möglich ist. Nekropolen stellen auch hier die entscheidende Fundgruppe. Jedoch sind diese kaum vollständig erfaßt. Anhand von Beispielen soll erläutert werden, welche Schwierigkeiten bei dem Versuch der Beantwortung der Frage nach der sozialen Stellung der Frau in der alemannischen Gesamtgesellschaft auftreten.

III.)1.) Die Grabbeigaben


Bei der Frage nach sozialen Abstufungen innerhalb der alemannischen Frauengruppe sind die Grabbeigaben der maßgebliche Indikator.
Auch für die allgemeine soziale Stellung könnten sie eine Aussage treffen. Daß Frauen derart wertvolle Beigaben überhaupt bekommen, kann auf eine hohe Wertschätzung der Frau hindeuten. Sie wird reich beschenkt, weil eine Frau einen hohen sozialen Rang einnimmt. Jedoch kann man daraus auch schließen, daß die Frau als Repräsentationsobjekt gedient haben könnte. Sie wird sozusagen mit Schmuckgegenständen „behängt“. Der Ehemann, Vater oder Bruder konnte so der Welt durch die Frau zeigen, welchen Reichtum er selbst besitzt. Somit wird deutlich, daß die Beigaben alleine nichts über den Sozialstatus der Frau in der Gesamtgesellschaft aussagen können.



III.2.) Die Anzahl der Frauen in den Nekropolen


Eine weitere Überlegung, wie man die Sozialstellung archäologisch erfassen könnte, ist eine mögliche Abweichung in der Anzahl von Frauen gegenüber Männern und Kindern in den Nekropolen. Biologisch gesehen werden 108 Frauen gegenüber 100 Männern geboren. Selbst wenn die hohe Sterblichkeit im Kindesalter abgezogen wird, müßten in einer Nekropole mehr Frauen als Männer bestattet sein.


Es ist jedoch sehr auffallend, daß in den meisten Nekropolen das Gegenteil der Fall ist. Es scheinen mehr Männer als Frauen bestattet worden zu sein. Ein Beispiel hierfür ist das alemannische Gräberfeld bei Schretzheim. Hier wurden 66 Männer und 59 Frauen bestattet . Daraus könnte man natürlich schließen, daß Frauen weniger auf die Nekropolen gelangt sind. Dies ist eventuell ein Zeichen, daß man sie für nicht wertvoll genug ansah. Auch das Gräberfeld bei Niederstotzingen scheint darauf hinzuweisen. Hier sind fast nur Männer bestattet .

Jedoch kann man daraus trotz der scheinbar eindeutigen Ergebnisse kaum derartige Rückschlüsse ziehen. So gibt es als eine Art Gegenbeispiel das Gräberfeld bei Munzingen. Hier wurden 115 Frauen und 108 Männer bestattet . Also stellen Frauen hier die Mehrzahl. Würde man die selben Rückschlüsse ziehen wie bei den vorausgegangenen Bespielen, so müßten in diesem Fall Frauen höher als Männer stehen. Dies ist ein auffälliges Paradoxon. Die Gesellschaft wird sich regional in diesem Punkt kaum so stark unterschieden haben. Jedoch nicht nur das Gegenbeispiel zeigt, daß Rückschlüsse auf die soziale Stellung der Frau in der alemannischen Gesamtgesellschaft aufgrund des Frauenanteils in den Nekropolen kaum zu ziehen sind. In Schretzheim konnten 20 % der bestatteten Menschen keinem Geschlecht zugeordnet werden, weder archäologisch, noch anthropologisch . Dieses 1/5 nicht identifizierbarer Skelette könnte durchaus sowohl nur Frauen als auch Männer sein. Damit werden jegliche Rückschlüsse auf eine soziale Stellung unmöglich. Absolute Zahlen können nicht genannt werden. In allen Nekropolen, die bereits ausgegraben sind, kann einigen Bestatteten kein Geschlecht zugeordnet werden. Dieses Problem ist also nicht nur auf Schretzheim beschränkt.

Weiterhin ist es eine Tatsache, daß die Nekropolen nur unvollständig ausgegraben worden sind. Somit sind manche Gräber überhaupt nicht erfaßt. Die Ausschnitte, die erfaßt wurden, können nur unzureichend Aussagen über soziale Stellungen bestimmter Gruppen einer Gesellschaft ermöglichen.

Das Gräberfeld bei Niederstotzingen zeigt keines dieser beiden Probleme. Das Gräberfeld ist recht klein, die Geschlechterbestimmung eindeutig. Frauen und Kinder wurden jedoch durchaus bestattet. In der Nähe fand sich ein weiteres Gräberfeld, in dem die bestatteten Frauen ausgegraben werden konnten. Beide Felder sind räumlich getrennt gewesen. Rein archäologisch kann man auch hieraus keine gesicherten Rückschlüsse daraus ziehen, ob die Frau einem gesonderten Status besessen hat oder nicht. Die isolierte Gruppe mit hohem Männeranteil könnte auch einfach einer höheren gesellschaftlichen Schicht angehören, so wie die eine Frau, die ebenfalls dort bestattet wurde .


III.)3.) Die Lage der Frauengräber in der Nekropole

Ein dritter Ansatzpunkt, um die gestellte Frage nach der sozialen Stellung zu beantworten, könnte die Lage der Frauengräber gegenüber anderen Gräbern in der Nekropole sein.

Wenn eine deutliche Abgrenzung erkennbar wäre, dann könnte man Rückschlüsse auf eine sozial niedrigere oder höhere Stellung ziehen. So könnten z. B. die Männergräber gegenüber den Frauengräbern erhöht worden sein. Dies wäre ein deutliches Zeichen für eine niedrigere gesellschaftliche Position der Frau. Genauso könnte eine isolierte Geschlechtergruppe Hinweise darauf geben, sofern solche Bestattungen in jeder Nekropole auftauchen. Dies ist nicht der Fall. Auf den Nekropolen ist keine herausragende Geschlechtergruppe zu erkennen. Nicht einmal eine Abgrenzung von Erwachsenen zu Kindern kann nachgewiesen werden. Sehr wahrscheinlich ist eine Sippenbestattung. Jedes Familienmitglied, gleichgültig welches Geschlecht oder Alter, wurde vermutlich im direkten Familienumfeld bestattet. Eine besondere soziale Stellung der Frauen ist somit unmöglich zu erkennen. Die Sippen an sich lassen sich im Gange der Jahre im sozialen Gefüge bestimmen. Reichere Familien lassen sich zunehmend isoliert von den ärmeren Bevölkerungsgruppen bestatten .


Isolierte Einzelgräber und kleine Grabfelder lassen sich durchaus finden. So ist, wie bereits oben ausgeführt, in Niederstotzingen eine Nekropole gefunden worden, in der fast nur Männer bestattet wurden. Frauen wurden allerdings auch isoliert bestattet. In der Kirche St. Laurentius ist beispielsweise eine wohlhabende Dame aus dem 7. Jahrhundert alleine bestattet worden . Es zeigt sich, daß eine soziale Abstufung der Geschlechter aufgrund der Lage auf Nekropolen oder einer isolierten Bestattung archäologisch nicht bestimmt werden kann, da sowohl Männer als auch Frauen isoliert bestattet wurden und sich weiterhin in größeren Nekropolen ihre Lage nicht unterscheidet.



III.)4.) Kindergräber als Indikator für die soziale Stellung der Frau


Theoretisch könnten Kindergräber aufzeigen, welchen sozialen Stellenwert eine Frau besass. Um eine Antwort geben zu können, müßte man bestimmen, ob mehr Mädchen oder Jungen auf die Grabfelder gelangt sind.


Die Fundlage läßt dies auch hier nicht zu. Die Voraussetzung, daß eine Geschlechtertrennung der Kinder bei der Bestattung stattfand, bleibt eine vage Vermutung. Es ist sehr auffallend, daß in den Nekropolen sehr wenige Kindergräber gefunden wurden. Aufgrund der hohen Kindersterblichkeit im frühen Mittelalter müßten Kinder jedoch die grösste Gruppe in den Nekropolen darstellen. Da dies offensichtlich nicht der Fall ist, kann man davon ausgehen, daß die meisten Kinder nicht bestattet wurden. Dabei spielte das Geschlecht keine Rolle. In den wenigen Kindergräbern die gefunden wurden, befanden sich sowohl Jungen als auch Mädchen. Oft sind beide Geschlechtergruppen mit den üblichen Beigaben, die auch Erwachsenen beigegeben wurden, ausgestattet worden. Gelegentlich wird auch Spielzeug gefunden. Beigabenlose Kindergräber sind anthropologisch schwer zu bestimmen; das Skelett von Kindern ist wesentlich weicher als das Skelett Erwachsener; außerdem ähneln sich die Skelette von Jungen und Mädchen in den ersten Lebensjahren stark.


Deutlicher zu erkennen ist, daß die meisten bestatteten Kinder offenbar zu wohlhabenden Familien gehören . Eine geschlechterspezifische Bestattung ist bei Kindergräbern nicht zu erkennen.


Archäologisch gesehen ist es kaum möglich, den Sozialstatus der Frau in der alemannischen Gesamtgesellschaft zu bestimmen. Eine herausragende gesellschaftliche Position ist genausowenig erkennbar wie eine untergeordnete. Es stellt sich nun die Frage, ob man mit historischen Quellen genauere Aussagen über den gesellschaftlichen Status der Frau treffen kann. Diesen Punkt behandelt der folgende Abschnitt.


IV.) Der Sozialstatus der Frau in der Alamannia in der Historie

Frauen in Germanien wurden in Quellen der Spätantike und Frühmittelalters eher am Rande erwähnt. Fast ausnahmslos schrieben Männer. Kaum eine Frau konnte lesen und schreiben. Wenn dies doch der Fall war, wurde die Quelle nicht überliefert. Die meisten Quellen aus dem Frühmittelalter stammen außerdem aus Klöstern. Mönche hatten kaum Kontakt zu Frauen, so wurde wenig über sie geschrieben.
Doch auch weltliche Herren, die Schreiben konnten, schrieben wenig oder nichts über Frauen. Selbst wenn sie dies taten, gaben sie kaum Hinweise auf deren gesellschaftliche Stellung. Beschreibungen der Römer über die Alemannen wurden nur gegeben, wenn es Auseinandersetzungen gab. So siegte Kaiser Julian 357 bei Straßburg über die Alemannen . In den Quellen werden die kriegsführenden Männer erwähnt, Frauen bleiben allenfalls eine Randnotiz .

Im Frühmittelalter entstanden ohnehin wesentlich weniger Schriftquellen als in der Antike oder seit der Zeit Karls des Grossen, so wie aus diesem Zeitraum wesentlich weniger Quellen überdauert haben. In der Völkerwanderungszeit ging viel verloren oder die Menschen schrieben wenig nieder.

Dennoch sind für den alemannischen Raum zwei wichtige Quellen überliefert. Der Pactus legis Alamannorum und die Lex Alamannorum beinhalten das alemannische Stammesrecht. Der Pactus wurde vermutlich unter Chlothar II. in den ersten Jahrzehnten des 7. Jahrhunderts niedergeschrieben. Das Lex wird dem alemannischen Herzog Landfried zugeschrieben und in die Jahre 724-730 nach Christus datiert. Der Pactus ist eine Art Bußenkatalog, die Lex wesentlich umfangreicher darauf aufbauend und behandelt Kirchen-, Herzogs- und Volkssachen.

In beiden Quellen wurden die sozialen Schichten erfaßt. In der Alamannia gab es laut dem Pactus und der Lex deren drei: Die LIBERI waren die freien Menschen in der Gesellschaft. Die LITI waren Halbfreie. Als SERVI wurden Sklaven bezeichnet .


Innerhalb der Gruppe der Freien existierte laut dem Stammesrecht eine weitere Dreiteilung. Der BARO MINOFLIDIS waren „minderbemittelte“ Freie. Sie besaßen sehr wenig. Die „mittleren“ Freien wurden als MEDIANUS bezeichnet. Ihr Besitz war genügend groß. Den offenbar höchste „Stand“ stellten die PRIMUS ALAMANNUS dar. Diese waren die „reichen Leute“, aus deren Kreis wohl auch der Herzog gestellt wurde .


Frauen wurden wie die Männer in die Stände zugeordnet. Geschlechterspezifische Unterscheidungen in den sozialen Rängen wurden nicht vorgenommen. Der soziale Status der Frau innerhalb der Gruppe der Alemanninnen schein somit historisch eindeutig belegt zu sein.

Der Status der Frau in der alemannischen Gesamtgesellschaft müßte in einem stammesrechtlichen Werk genau festgelegt sein, jedoch steht nirgendwo niedergeschrieben, daß die Frau weniger oder mehr angesehen war als Männer oder Kinder.

Hinweise lassen sich allerdings finden. Doch führen auch sie nicht zu einem eindeutigen Ergebnis. Ein Beispiel ist die Höhe des sogenannten Wehrgelds. Damit wird der Betrag bezeichnet, den ein Mörder als Buße an die hinterbliebene Familie zahlen muß . Im Pactus und im Lex ist festgeschrieben, daß ein Mord an einer Frau mit der doppelten Summe gesühnt werden muß als der Mord an einen Mann. Diese Festlegung deutet stark auf einen hohen Stellenwert der Frau hin. Es scheint, daß Frauen höher geschätzt wurden als Kinder und Männer.


Das Erbrecht deutet allerdings wieder auf eine niedrige Stellung der Frau in der Gesellschaft hin. Zwar konnten Frauen bis zu 12 Schilling erben (in Münzen oder Naturalien), doch mußten sie auch Schwüre ablegen, daß es ihnen von dem verstorbenen Mann erlaubt worden war zu erben. Männer hingegen konnten ohne Einschränkung erben .

Weiterhin wird deutlich, daß Frauen auch gegen ihren Willen verheiratet wurden. Dies geschah meist, um verschiedene Sippen stärker aneinander zu binden und die Gefolgschaft zu stärken. Dieses kann als Indiz für eine niedrigere Position angesehen werden .
Es wird deutlich, daß der Status der Frau in der alemannischen Gesamtgesellschaft in der Historie nur schwer bestimmbar ist. Der Status innerhalb der Frauengruppen in Bezug auf Arm und Reich scheint hingegen deutlich zu sein. Hier muß man jedoch bei der Quellenkritik ansetzen. Der Pactus und der Lex gingen offenkundig aus der römischen Rechtsschreibung hervor. Deutlich wird dies zum Beispiel in Gesetzen, die Steinhäuser betreffen. Die Alemannen besaßen aber keine solchen Häuser. Zwangsläufig muß man überlegen, inwiefern nun die anderen Bestimmungen zutreffen .

Somit ist dadurch das beschriebene soziale System in Frage gestellt. Offenbar ist der soziale Status der Frau sowohl in der alemannischen Gesamtgesellschaft als auch innerhalb der Frauengruppe nur schwer greifbar.

V.) Fazit

Es scheint verführerisch, die offenkundigen Parallelen des Frauenstatus innerhalb der alemannischen Frauengruppe in archäologischen und historischen Quellen zusammenzuziehen, da man ein geschlossenes Bild erhält. Der Pactus Legis Allamannorum und die Lex Allamannorum sagen aus, daß sich der Status über den Reichtum definiert.


Somit scheint das archäologische Ergebnis bei Christlein verifiziert. Es zeigen sich jedoch in den archäologischen und historischen Quellen Schwächen, die dieses Ergebnis in Frage stellen.


Der Status der Frau in der alemannischen Gesamtgesellschaft ist offenkundig weder archäologisch noch historisch faßbar. In beiden Quellengattungen gibt es mal Hinweise darauf, daß die Frau gesellschaftlich höher steht als Männer und Kinder. Es gibt aber auch Hinweise in die Richtung, daß sie zumindest sozial unter den Mann gestellt ist. Eine Gleichstellung könnte angenommen werden. Doch zeigen spätere Quellen aus Hoch- und Spätmittelalter, daß die Frau dem Mann rechtlich untergeordnet war. Frauen, die hohe Stellungen erreichten ohne von einem Mann abhängig zu sein, bleiben die Ausnahme.

Inwiefern man dieses jedoch auf die frühmittelalterliche Alamannia beziehen läßt muß offen bleiben. Die eingangs gestellten Fragen sind nicht eindeutig beantwortbar.

VI.) Literaturverzeichnis

Christlein, Rainer: Die Alamannen. Archäologie eines lebendigen Volkes, Stuttgart 1978.

Fuchs, Karlheinz (Hrsg.): Die Alamannen, Stuttgart 1997.

Groove, Annette Maria: Das alamannische Gräberfeld von Munzingen, Stuttgart 2001.

Jentgens, Gerard: Die Alamannen. Ethnische Deutung archäologischer Funde, Leidorf 2001 (Freiburger Beiträger zur Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends 4).

Schulze, Hans K.: Grundstrukturen der Verfassung im Mittelalter Band 2, Stuttgart 19863.

Steuer, Heiko: Frühgeschichtliche Sozialstrukturen in Mitteleuropa. Eine Analyse der Auswertungsmethoden des archäologischen Quellenmaterials, Göttingen 1982 (Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften in Göttingen Philologisch – Historische Klasse Dritte Folge Nr. 128) .

Lexikon des Mittelalters, München 1998.




"There are only two things which are never-ending:the universe and the dumbness of mankind.Although I'm not sure about the universe...

How do you document real life when real life's getting more fiction each day?

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