Bei der Himmelsscheibe von Nebra handelt es sich um einen Schlüsselfund für die europäische Vorgeschichte, die Astronomiegeschichte sowie die frühe Religionsgeschichte. Die erste uns bekannte konkrete Himmelsdarstellung der Menschheitsgeschichte lässt mit ihren Beifunden weitreichende archäologische Beziehungen sowie einen ersten tiefen Einblick in die astronomischen Kenntnisse des vorgeschichtlichen Menschen zu. In Verbindung mit dem Fundort gewinnt dies zusätzlich an Brisanz. Himmelsscheibe und Beifunde deuten schon beim jetzigen Stand der Analyse weiträumige Beziehungen bis in den östlichen Mittelmeerbereich an. Für die weitere Forschung wird die Himmelsscheibe von Nebra wahrscheinlich auf Jahrzehnte ein zentraler Fixpunkt sein.
Jeder, der diesen einmaligen Fund aus der Bronzezeit zum ersten Mal betrachtet, sieht sofort "Sonne, Mond und Sterne". Die Himmelsscheibe ist das einzige Objekt aus so früher Zeit, das dermaßen auffällige Bezüge zur Himmelskunde aufweist,dass noch niemand eine nicht-astronomische Deutung vorgeschlagen hat. Das allein ist schon von eminenter Wichtigkeit. Unabhängig von Details der Interpretation belegt diese Bronzescheibe ein beträchtliches Interesse des vorzeitlichen Menschen am gestirnten Himmel: Sie ist schlichtweg der Schlüsselfund
der Archäoastronomie.
Die Scheibe enthielt 32 kleine Goldblättchen, die als Sterne anzusehen sind. Sieben davon stellen mit größter Wahrscheinlichkeit das Siebengestirn
(die Plejaden) dar.
Die Verteilung der übrigen 25 Sterne ist derart, dass der Gestalter der Scheibe alles vermieden hat, was auch nur im Geringsten an ein Sternbild erinnern kann. Umso deutlicher heben sich von diesem
"sternenbildfreien Sternenhimmel" die Plejaden ab. Ganz sicher stellen "Sonne und Mondsichel" ebenfalls astronomische Objekte dar - welche jedoch, ist nicht klar.
Die "Sonne" kann ebenso gut den Vollmond bedeuten, die "Mondsichel" eine partielle Finsternisphase von Sonne oder Mond.
Von erheblicher Bedeutung ist,dass sich Fundort und Bildinventar der Scheibe gegenseitig ergänzen. Die beiden seitlichen goldenen Randbögen (einer davon nicht erhalten) können problemlos als östliche und westliche Horizontbögen aufgefasst werden, die den Lauf der Sonnenaufgangs-und untergangspunkte über das Jahr darstellen. Deren Winkel entsprechen dem Sonnenlauf für die frühe Bronzezeit und dem Bereich der Breitengrade durch Sachsen-Anhalt.
In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass für den Betrachter vom Mittelberg aus gesehen die Sonne zur Sommersonnenwende über dem Brocken unterging, dem markantesten Berg des Harzes. Dieser ist bei klarem Wetter
(und fehlenden Bäumen) trotz der Entfernung von ca. 80 km vom Mittelberg deutlich sichtbar. An einem weiteren bis heute wesentlichen Datum, dem ersten Mai, ging die Sonne hinter dem Gipfel des Kulpenberges, des Hauptberges des Kyffhäusers, unter. Spektakulär ist, dass die Geometrie der bildlichen Darstellungen auf der Scheibe mit dem Fundplatz in Verbindung gebracht werden kann.
Die Verbindung von Sakralort, herausragendem Berg und Sonnenwende ist für das prähistorische Europa nicht ungewöhnlich. Man findet Parallelen von Schottland bis zur Ägäis. Doch nur auf dem Mittelberg bei Nebra ist bislang mit der Himmelsscheibe auch das zugehörige "Benutzerhandbuch" gefunden worden. Die Datierung der Bronzescheibe in die Zeit um 1.6oo v.Chr. - es ist dies etwa die Zeit der Endausbauphase von Stonehenge - ergibt sich aus den mitgefundenen Bronzegegenständen: zwei Schwerter, ein Beil, ein Meißel und Reste zweier Armspiralen. Die Zusammengehörigkeit der Beifunde und der Scheibe ergibt sich über die Bodenanhaftungen. Diese werden von Naturwissenschaftlern des LfA und des LKA Magdeburg untersucht. Bei den Untersuchungen sind bislang keinerlei Zweifel an der Zusammengehörigkeit der Funde aufgetreten. Ein weiterer wesentlicher Hinweis ist, dass die Kombination der Fundgegenstände in Fürstengräbern dieser Zeit geläufig ist. Ein besonderes Augenmerk verdienen die Schwerter. Die Klingen sind einzigartig aufwendig mit Einlagen aus Kupferdraht verziert (tauschiert), und an den Griffen tragen sie ringförmige Schmuckstreifen aus profiliertem Goldblech. Verzierungen solcher Art kennen wir in so früher Zeit nur aus dem griechischen Mykene und Anatolien. Die Schwertform selbst hat Gegenstücke im heutigen Rumänien und Ungarn. Zurzeit wird untersucht, ob die Schwerter einheimischer Herstellung sind oder ob es sich um Importe handelt. Nach derzeitiger Auffassung erscheint auf der Bronzescheibe u.a. zum ersten Mal nördlich der Alpen die Sonnenbarke als sichelartige Goldauflage mit gefiedertem Rand, ein Motiv, das im Laufe der Bronzezeit zu einem herausragenden religiösen Symbol wird.
Die Himmelsscheibe von Nebra kann man schon jetzt mit den Pyramiden in Ägypten und der Steinkreisanlage in Stonehenge auf eine Stufe stellen. Aus diesen Gründen wird auch schon jetzt in höchsten Kulturkreisen der Bundesrepublik und der UNESCO beraten die Himmelsscheibe von Nebra ins UNESCO - Weltkulturerbe aufzunehmen.
"There are only two things which are never-ending:the universe and the dumbness of mankind.Although I'm not sure about the universe... How do you document real life when real life's getting more fiction each day? Me? I'm dishonest,and dishonest man you can always trust to be dishonest...Honestly.It's the honest ones you want to watch out for,because you can never predict when they're going to do something incredible...stupid.
Re: Die Himmelsscheibe von Nebra Du hast assoziationen..
Aber ich finde es interessant, wie an durch einen einzigen fund die Vorgeschichte ganz anders betrachten muss..
Und danke, das du das Bild nochmal zeigst..) *knuddel*
"There are only two things which are never-ending:the universe and the dumbness of mankind.Although I'm not sure about the universe... How do you document real life when real life's getting more fiction each day? Me? I'm dishonest,and dishonest man you can always trust to be dishonest...Honestly.It's the honest ones you want to watch out for,because you can never predict when they're going to do something incredible...stupid.
Re: Die Himmelsscheibe von Nebra
also das liest sich ja mal wirklich spannend
und stimmt - manchmal wirft eine 'kleinigkeit' alle bestehenden annahmen über den haufen
und gut dass das so is - nur so lernen wir unsere geschichte verstehn